Errettet aus des Teufels Küche

18. Mai, 2016

Nach jenem Abend bei Michael veränderte sich mein Interesse und Alltag deutlich. Ich begann mich intensiv mit Astrologie und Tarot, theoretisch und praktisch, zu beschäftigen. Wobei ich in Kontakt mit Michael blieb, der mir den ein oder anderen Tipp gab und mich auch mit esoterischem Lesematerial versorgte.

      Der Übergang zwischen Interesse und Überzeugung ist oft fließend. Und so war es auch in meinem Fall. Nach einer Weile war ich von der Richtigkeit der esoterischen Dinge weitgehendst überzeugt und begann auch Anderen davon zu erzählen.
    Die staunten meist nicht schlecht über meine Begeisterung, ließen sich aber nicht davon „anstecken“. Dies war mir allerdings egal, denn ich wähnte mich Rätsel des Lebens auf die Spur gekommen zu sein. Ein neuer, verheißungsvoller Weg in die Zukunft hatte sich für mich unerwartet aufgetan.
    Hätte ich damals geahnt, wohin mich dieser Weg noch führen würde, hätte ich meine Beschäftigung mit jenen esoterischen Dingen sofort gestoppt. So aber nahm das Schicksal seinen Lauf  in Richtung eines verhängnisvollen Abgrunds.
 
In diese Zeit hinein fiel ein Besuch bei Elke und Peter, einem jungen Ehepaar. Ich hatte die Beiden im Jahr zuvor bei einem Schachturnier kennen gelernt und war von ihnen schon mehrfach eingeladen worden. Vielleicht aus Trägheit oder auch aus anderen Gründen hatte ich einen Besuch immer wieder aufgeschoben. Aber jetzt zu Beginn des Frühlings schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr ans andere Ende der Stadt.
    Ich hatte Glück, denn Elke war zuhause und empfing mich freudig mit den Worten: „Das ist ja eine Überraschung! Komm rein! Der Peter kommt auch gleich nach Hause.“ Als jener tatsächlich wenig später eintraf, verbrachten wir einen unterhaltsamen und interessanten Abend miteinander. Einen Abend, der wie im Fluge verging, und an dem aus flüchtigen Bekannten Freunde wurden!                                                            
Natürlich hatte ich irgendwann auch von meiner Beschäftigung mit den esoterischen Dingen zu erzählen begonnen und unterschiedliche Reaktionen erlebt. Während der  ruhige und besonnene Peter sich  etwas reserviert verhielt, schiendie lebhafte Elke sehr interessiert zu sein. Plötzlich sagte sie: „Bleibst du über Nacht hier? Du könntest  im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen!“ Ich blickte Peter an, der zustimmend nickte. Ich nickte auch und sagte: „Ja, gerne!“ „Klasse!“, meinte Elke, „dann kann ich dir nämlich später noch etwas zeigen, was dich bestimmt interessieren wird!“ Und dabei lächelte sie mich recht geheimnisvoll an!
    Etwa gegen 23 Uhr zog sich Peter ins Schlafzimmer zurück, da er am nächsten Morgen wieder früh aufstehen musste. Elke und ich blieben im Wohnzimmer sitzen, denn sie wollte mir ja noch "etwas" zeigen. Ich hatte wirklich keine Ahnung, um was es sich handeln könnte.
    Elke stand auf,  ging zum Wohnzimmerschrank und holte einen großen Bogen Papier und ein kleines Tischchen daraus hervor. Dann breitete sie  den Bogen auf dem Esstisch aus und stellte das kleine Tischchen oben drauf. Lächelnd winkte sie mich herbei. Ich stand auf und ging zu ihr hinüber. Was würde jetzt passieren?
 
Als wir nun wenig später  nebeneinander am Esstisch saßen, sah  ich , dass an einem Beinchen des kleinen Tischchens ein  leicht überstehender Bleistiftstummel mit der Spitze nach unten befestigt war.  „Und“, sagte ich, „was geschieht nun?“ Sie lachte und meinte: “Was hältst du davon, wenn wir mit meinem verstorbenen Onkel Kontakt aufnehmen?“
      Vermutlich werde ich in diesem Moment nicht gerade mein intelligentestes Gesicht gemacht haben. Ungläubig und gedehnt fragte ich nach: „Mit deinem verstorbenen Onkel Kontakt aufnehmen? Das soll funktionieren?“ Sie lachte erneut: „Ja, ganz sicher! Du wirst staunen! Also, bist du dabei?“ Meine Neugier war stärker als meine Skepsis und so nickte ich: "Ich bin dabei. "Gut", sagte sie, "dann lass uns beginnen!“

Eine halbe Stunde später war ich um eine seltsame Erfahrung reicher. Nach mehrmaligen Anrufen des „Onkels“ hatte sich plötzlich das kleine Tischchen in Bewegung gesetzt und auf dem Bogen Papier waren zwei deutlich lesbare Worte sichtbar geworden: Hallo_Elke!
    „Er ist da!“, hatte Elke jubelnd ausgerufen. „Siehst du, ich habe es dir doch gesagt!“ Und nun entspann sich zwischen Elke und ihrem „Onkel“ ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel. Elke stellte Fragen in den Raum hinein und erhielt durchaus vernünftige und nachvollziehbare Antworten mittels des kleinen Tischchen auf dem Papierbogen.
    Während der ganzen Zeit saß ich gebannt neben ihr und verfolgte fasziniert dieses merkwürdige Geschehen. Hier geschah tatsächlich etwas, was mit den normalen Naturgesetzen ganz offensichtlich nicht in Einklang bringen zu war. Es hätte eigentlich nicht funktionieren dürfen.
 
Als wir schließlich die „Sitzung“ beendet hatten , lächelte Elke mich triumphierend an: „Und, ... was sagst du nun?“ Was hätte ich schon sagen sollen? Die Tatsachen sprachen für sich selber. Ich lächelte zurück und sagte anerkennend: „ Ganz erstaunlich! Diese Überraschung ist dir wirklich gelungen!“
      Ich war wirklich tief beeindruckt und hatte das Gefühl, dass ich Zeuge von etwas wirklich  "Außergewöhnlichem"  geworden  war. Für einen kurze Zeit hatte erlebt, dass die Grenzen unserer dreidimensionalen Welt überschreitbar waren. 

Wie hätte ich in diesem Moment auch ahnen sollen, dass ich soeben einen weiteren Riesenschritt in Richtung eines furchtbaren Abgrundes gemacht hatte!? 

18. Mai, 2016


Folge 6:

Nach meiner Rückkehr von Elke und Peter ging mein Leben wie gewohnt weiter. Neben meinem üblichen Alltag studierte ich meine esoterischen Schriften, beschäftigte mich weiter experimentell mit Astrologie und Tarot. Auch besuchte ich weiterhin Michael, den Esoteriker,  in seinem „Hexenhäuschen“.
     Eines Abends allerdings war es mir recht langweilig zumute und ich überlegte, was ich machen könnte. Vielleicht ausgehen oder jemanden besuchen? Aber dazu fehlte mir die rechte Lust. Plötzlich fiel mir wieder  jene seltsame „Sitzung“ mit Elke und ihrem "Onkel" ein. Wenn sie mit ihrem verstorbenen Onkel in Kontakt kommen kann, kann ich das ja vielleicht auch!? schoss es mir durch den Kopf.
  Für einen Moment wunderte ich mich, dass mir dieser Gedanke nicht schon längst gekommen war. Dann sprang ich von meinem Sessel hoch und begann Vorbereitungen  für eine eigene
Sitzung zu treffen.
   Ich öffnete meinen Schrank, nahm einen großen Bogen Papier heraus und breitete ihn auf meinem Wohnzimmertisch aus. Jetzt fehlte nur noch das kleine Tischchen. Ich begab mich auf die Suche nach verwendbarem Material. Schließlich wurde ich in der in der Küche fündig und begann meine Bastelarbeit.

Die fertige „Schreib-Apparatur“ stand auf den Bogen Papier. Der Moment der Wahrheit war gekommen. Würde die Sache funktionieren? Würde sich tatsächlich jemand melden? Ich setzte mich an den Wohnzimmertisch direkt vor die Vorrichtung, legte meine rechte Hand auf das kleine Tischchen und wartete schweigend ab, was passieren würde.
   Es mochten vielleicht ein oder zwei Minuten vergangen sein, als das kleine Tischchen sich plötzlich zu bewegen begann. Ein freudiger Schauer durchlief meinen Körper. Ich verfolgte mit meinen Augen die entstehende Schrift auf dem Papier. Als das Tischchen stoppte, las ich: Willi_ grüßt_ dich!  Mein Herz pochte heftig als ich in den Raum hinein fragte: „Onkel Willi, bist du das?“ Das Tischchen setzte sich erneut in Bewegung: _Ja
Fünfzehn Minuten später war mein erster eigener Kontakt mit derunsichtbaren Welt beendet. Ich hatte mich nicht nur mit "Onkel Willi" unterhalten, sondern später war auch noch "Tante Maria" hinzugekommen. Und sie hatten mir mitgeteilt, dass noch andere „Verwandte“ bei ihnen wären. Unglaublich, dachte ich und fühlte mich "glücklich". Wie hätte ich auch ahnen können, dass dazu wirklich keine Veranlassung bestand!?Ich einen weiteren großen Schritt in Richtung Abgrund getätigt hatte.
18. Mai, 2016

 

Folge 7:

Nach dieser „Sitzung“ war ich innerlich aufgewühlt und wollte diese neue Erfahrung unbedingt noch mit jemandem teilen. Ich überlegte, wie spät es sein könnte. Manchmal erwies es sich doch als Nachteil, alle Uhren abgeschafft zu haben. Ich tippte auf 23 Uhr. Eigentlich zu spät, um noch jemanden zu besuchen. Egal, dachte ich, ich werde noch zu Manuel fahren. Der ist bestimmt noch auf! Kurz darauf verließ ich das Haus und schwang mich auf mein Fahrrad.
  
Tatsächlich brannte bei Manuel noch Licht. Er war halt eine "Eule" und  wir hatten schon so manche Nacht Schach spielend durchgemacht. .Ich kam ohne Umschweife zur Sache: „Hallo Manuel! Zieh dir was über. Ich möchte dir etwas zeigen.“ Er schaute mich verblüfft an: „Weißt du, wie spät es ist?“
   Ich reagierte ungeduldig: „Ja, weiß ich! Aber es ist wirklich wichtig!“ Dann fügte ich lächelnd hinzu: „ Glaube mir, du wirst wirklich sehr überrascht sein!“ Er schaute mich noch einen Moment forschend an, dann grinste er: „Na, da bin ich ja mal gespannt!“ Kurz darauf radelten wir zu meiner Wohnung.
 
Manuel schüttelte den Kopf. „Das gibt es doch gar nicht!“, sagte er und schüttelte erneut den Kopf: „Ich glaub es nicht!“ Aber der Beweis lag vor uns ausgebreitet auf dem Tisch. Ein Bogen Papier, worauf mehrere Sätze mittels eines kleinen Bleistifts geschrieben standen. „Onkel Willis“ Sätze!
„Na“, sagte ich mit einem triumphierenden Lächeln, „habe ich dir zu viel versprochen?“ Er schüttelte erneut den Kopf: „Nee, die Überraschung ist dir wirklich gelungen. ... Also das ist einfach unglaublich! Ich kann es immer noch nicht fassen!“
   
Ich genoss meinen kleinen Triumph. So erschüttert hatte ich ihn zuvor noch nicht erlebt. Aber er hatte Recht, die Sache war wirklich unglaublich. Und ich war froh, dass ich meine Erfahrung noch mit jemandem hatte teilen können. Da es schon recht spät war machte er sich kurz darauf auch wieder auf den Heimweg.
Am nächsten Tag trafen wir uns zufällig in einem Cafe. Und natürlich kamen wir noch einmal auf die „Sitzung“ vom Vorabend zu sprechen. „Also ich bin immer noch geplättet“, sagte er. „Das so etwas funktionieren könnte, hätte ich niemals gedacht!“ „Ja, dann können wir das ja mal bei Gelegenheit wiederholen“, schlug ich vor. Er schüttelte energisch den Kopf: „Nein, auf gar keinen Fall!“
   Für einen Moment war ich verblüfft. Etwas irritiert fragte ich nach: „Aber wieso denn nicht? Du hast doch selber gesehen, dass es funktioniert hat.“ Er schaute einen Moment beiseite. Dann schaute er mir direkt in die Augen:„Ganz ehrlich? Es macht mir Angst!“
   Als ich wenig später alleine war, dachte ich noch einmal kurz über Manuels Worte nach. Wovor hat er Angst?, fragte ich mich. Was ist daran schlecht, mit seinen verstorbenen Verwandten in Kontakt zu treten? Auch wenn ich ihn nicht so recht verstand, so spürte ich doch intuitiv die
Warnung, die in Manuels Worten steckte. Hätte ich auf sie gehört, wäre mir viel Leid erspart geblieben. So aber nahm das Schicksal seinen Lauf.
18. Mai, 2016

 

Folge 8:

Ich hatte im Gegensatz zu Manuel keine Angst bei meinen bisherigen drei „Sitzungen“ verspürt. Ich war einfach nur froh, wieder in Kontakt mit meinen verstorbenen „Verwandten“ zu sein. Schließlich verband ich gerade mit ihnen eine glückliche Zeit meines Lebens.
   Und so setzte ich meine Sitzungen alleine fort. Fast täglich holte ich das kleine Tischchen hervor und stellte es auf einen neuen Bogen Papier. Jedes mal meldeten sich die „Verwandten“, wobei „Onkel Willi“ meist mein Ansprechpartner war. Jedenfalls lautete der erste Satz fast  immer: Willi_grüßt_Dich
    Nach einer Weile waren diese Sitzungen ein ganz "normaler“ Bestandteil meines Lebens geworden. So, wie man mit jemanden im Ausland täglich telefoniert. Genau wie bei Elke und ihrem „Onkel“ war es auch bei mir meist so, dass ich Fragen stellte und „Onkel Willi“ mir antwortete.  
    Eine meiner ersten Fragen war  gewesen: “Was macht ihr eigentlich da oben?“  Keine Ahnung, warum ich von einem „oben“ ausging. Jedenfalls richtete ich meine Fragen meist auch immer Richtung Zimmerdecke. Die Antwort hatte etwas überraschend gelautet: Wir_warten_hier_auf_unsere_nächste_Reinkarnation
_und_ geben _auf_ dich _und_ deine _Eltern_ acht!
Tatsächlich begann ich ihnen mehr und mehr zu vertrauen. Wie hätte ich auch ahnen sollen, wer "sie" wirklich waren und was "sie" im Schilde führten. Und auf welch einen furchtbaren  Abgrund ich mich zubewegte.
    
Als ich Elke von meinem Kontakt mit meinen verstorbenen "Verwandten" erzählte, war sie natürlich hellauf begeistert: "Das ist ja toll! Da können wir ja gleich eine gemeinsame Sitzung machen." Was dann auch geschah.
   Natürlich erzählte ich auch Michael, dem Esoteriker, von meiner Erfahrung. Er schwieg einen Moment und sagte dann: "Ja, von solchen Dingen habe ich schon gehört. Aber das ist nicht mein Weg!" Und damit war das Thema für ihn erledigt.
Anderen gegenüber blieb ich zurückhaltend. Zwar erzählte ich  weiterhin von meinen esoterischen Beschäftigungen, aber über die Sitzungen sprach ich meist nicht.
 
In dem Zusammenhang möchte ich eine kleine Ausnahme nicht unerwähnt lassen. Als ich einmal mit Jürgen, einen guten Freund und bekennenden Atheisten, eine Sitzung abhalten wollte, funktionierte die Sache zu meiner großen Überraschung nicht. Das Tischchen bewegte sich so gut wie gar nicht!                                           
   Als ich die "Verwandten" später danach befragte, antworteten sie recht kurz und knapp: Wir_möchten_nicht_dass_du_uns_im_Beisein
_Anderer_rufst!
    Ich war zwar ziemlich überrascht und auch etwas irritiert, fragte aber nicht nach. "Sie" würden schon ihre Gründe haben! Von da an hielt ich meine Sitzungen dann nur noch alleine ab!
18. Mai, 2016
 
Folge 9:

Eines Tages unterhielt ich mich an der Uni mit Claudia, einer Mitstudentin über meinen esoterischen Beschäftigungen, ließ meine  „Sitzungen“ aber unerwähnt. Sie hörte aufmerksam zu, sagte aber nichts. Schließlich fragte ich nach: "Und? Was denkst du darüber?" Sie schwieg nachdenklich noch einen weiteren Moment, bevor sie antwortete. "Von diesen Dingen verstehe ich nichts. Ich bin Christin und halte mich an die Bibel!"
    Ich fühlte mich wie vor den Kopf geschlagen. "Du glaubst an
Gott?" fragte ich ungläubig nach. "Aber wie kann man als gebildeter Mensch der Bibel glauben? Das sind doch in erster Linie Mythen, Legenden und Märchen. Daran kann man doch nicht ernsthaft glauben!" Ich war fassungslos und richtig entsetzt.
   Sie lächelte etwas verlegen. "Ich kann dazu nicht so viel sagen. Aber mein Freund ist Diakon in einer freikirchlichen Gemeinde und der kennt sich sehr gut in der Bibel aus. Nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu: "Du kannst ja mal Samstag abends bei uns in der Gemeinde vorbei schauen. Da haben wir einen offenen Abend und danach wäre bestimmt noch Zeit für ein Gespräch mit meinem Freund." Ich reagierte schroffer als beabsichtigt. "Nein danke! Ich glaube, ich kann meine Zeit da sinnvoller verbringen als über Märchen zu diskutieren." 


Später, als ich alleine war, wunderte ich mich, wieso ich so gereizt reagiert hatte. Wenn ich von den esoterischen Dingen geredet hatte, so war nur recht und billig, wenn sie über ihrem christlichem Glauben sprach. Und überhaupt, in meiner Kindheit hatte ich doch selber fest an Jesus und an Gott geglaubt. War es vielleicht die Erinnerung an jene längst vergessene Zeit, die mich hatte so ärgerlich werden lassen?

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