17. Nov, 2016

Der folgende Artikel steht auf der Seite: http://www.jesuiten.org/slides-startseite/Jesuit-in-der-Sternwarte.html

(Da solche Artikel oft plötzlich in der Versenkung verschwinden, hier ausgeschrieben):

 

Pater Richard d'Souza SJ ist Astrophysiker. Am Max Planck Institut für Astrophysik in München-Garching hat er darüber promoviert, wie Galaxien entstehen. Seit Mai ist er Mitarbeiter der Vatikanischen Sternwarte, forscht aber erst noch weiter an der University of Michigan in Ann Arbor. Wir haben ihn gefragt, wo für ihn die Grenzen zwischen Wissenschaft und Glauben verlaufen.

Pater d'Souza, wieso sind Sie Jesuit geworden, um dann Astronomie zu studieren?

Der Orden hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: ich war an einer Jesuitenschule und bin schon mit 18 als Novize eingetreten. Die Jesuiten hatten mich immer schon begeistert: mehr als 400 Jahre Geschichte, die Fähigkeit, sich ganz unterschiedlichen Kulturen anzupassen und dennoch den eigenen Kern zu bewahren, das fasziniert mich bis heute. Außerdem ist unser Orden bei aller Spiritualität eher rational, intellektuell, immer auf der Höhe der Zeit. Jesuiten waren immer auch Wissenschaftler, insofern war der Weg gar nicht so weit, vom Jesuiten zum Astronomen.

Woher kommt Ihr Interesse an der Naturwissenschaft?

Von Kindheit wollte ich immer die Welt zu verstehen. Ich war schon als kleiner Junge begeistert von Ingenieuren und ihren Leistungen. Daher begann ich bereits als Jesuit in Indien, Physik zu studieren, Teilchenphysik, bevor ich ein Stipendium für Deutschland bekam. Der Provinzial hier hat dann meine Neigung gesehen und mich gebeten, an die Vatikanische Sternwarte zu gehen. So wurde es also die Astronomie.

Damit sind Sie von den ganz kleinen Phänomenen der Physik bei den ganz großen gelandet.

Naja, das reizt mich schon, wie jeden Physiker, dass es nach wie vor kein gemeinsames Erklärungsmodell gibt für die Physik des Kleinen - die Quantenmechanik - und die Physik des Großen, womit wie in der Astronomie zu tun haben. Diese Grenze zu überwinden, ist ein riesiger Ansporn für sehr viele Physiker.

Gilt das auch für die Grenze zwischen Wissenschaft und Glauben?

Nach meiner Überzeugung gibt es diese Grenze gar nicht, zumindest nicht so scharf, wie man vermuten könnte.

Wie bitte?

Man stellt immer wieder den Gegensatz von Naturwissenschaft und Glauben her, aber es ist ein Irrglaube, dass Wissenschaft alles, was sie aussagt, auch beweisen könnte. Tatsächlich gründet auch die Wissenschaft auf vielen Glaubenssätzen. Man nennt das nur anders, nämlich Vorannahmen oder Prämissen. Woher wissen wir denn, dass 1+1=2? Das kann man nicht beweisen. Nach Gödels Theorem gibt es in offensichtlich widerspruchsfreien Systemen immer unbeweisbare Aussagen. Das muss jede Wissenschaft akzeptieren. Dann sind wir von der Aussage "Es gibt Gott", was die Beweisbarkeit anbelangt, nicht mehr so weg.

Können Sie noch ein Beispiel nennen für Glaubenssätze in der Naturwissenschaft?

Ja, wenn wir zum Beispiel die Massen von Galaxien berechnen, dann übertragen wir einfach die Eigenschaften unserer Milchstraße auf jede andere Galaxie. Wir haben aber überhaupt keine Ahnung, ob das zulässig ist. Ob unsere Milchstraße eher durchschnittlich aufgebaut ist oder einen Ausreißer darstellt. Das Ergebnis einer solchen Annahme ist letztendlich ein Glaubenssatz. Wir tun nur so, als sei das beweisbare Physik.

Kann man also sagen, dass sich Physik genauso wenig oder genauso viel beweisen lässt wie Religion?

Im Prinzip schon, aber man darf nicht den Fehler machen, mit dem Mittel des wissenschaftlichen Beweises an religiöse Fragen heran zu gehen, denn dann scheitert man zwangsläufig. Auf dem Olymp sitzen nun mal keine Götter, und die ersten Raumfahrer haben auch im Himmel Gott nicht gefunden. Auf diese Weise würden wir mit dem Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft Gott mehr und mehr aus der Welt drängen.

Wie gehen Sie dann an religiöse Begriffe heran?

Religion ist die Erfahrung existenzieller menschlicher Phänomene, die natürlich auch eine naturwissenschaftliche Dimension haben, etwa eine biochemische oder eine genetische. Während Naturwissenschaft aber immer auf die physikalische Welt bezogen bleibt, ragt Religion darüber hinaus, und die Erfahrungen, die Menschen mit Religion machen, bestätigen das.

Wo ist für Sie Gott?

Schon das erste Wort Ihrer Frage ist falsch, denn das verweist auf einen Ort, auf eine physikalische Dimension. Ich bin der festen Überzeugung, dass man Gott nicht physikalisch suchen darf - auch wenn viele berühmte Physiker gläubig waren.

Und der Urknall?

Ist kein Gottesindiz.

Nun gibt es Wissenschaftler wie Stephen Hawking, die meinen, die Existenz Gottes durch neue Erkenntnisse der Naturwissenschaft quasi widerlegen zu können.

Diese Wissenschaftler machen den gleichen Fehler wie die anderen, die in den Urknall einen Hinweis auf den Schöpfungsakt hineininterpretieren. Beide argumentieren rein materialistisch. Das kann man natürlich tun, aber damit wird man Gott nicht beschreiben können. Im Übrigen ist Hawkings Mulitverse-Theorie auch nichts anderes als ein Glaubenssatz. Niemand wird das jemals beweisen können.

Welche Indizien haben Sie dafür, dass aus der physikalisch-materialistischen Dimension etwas hinausragt, das man Gott nennen könnte?

Die Schönheit der Natur ist für mich ein Hinweis auf Gott. Wenn ich mich auf die Jahreszeiten einlasse, empfinde ich Gottesbezug. Die Geburt eines Kindes bleibt bei aller Biologie immer auch ein Geheimnis. Auch dass alles Leben irgendwann ein Ende hat, weist für mich auf die besondere Bedeutung von Leben hin.

Wie denken Sie sich Gott?

Ich habe von meiner eigenen Rastlosigkeit gelernt. So glaube ich heute, dass die Wissenschaft für mich heute einfach nur Ausdruck und Ausfluss meiner Gottessuche ist. Ich würde heute sagen, dass Gott der Grund dafür ist, wieso ich als Wissenschaftler arbeite. Das ist der Ansatz von Karl Rahner: Gott als das Objekt meiner ganz persönlichen Suche nach Sinn - und als das endgültige Ziel.

Wie sehen Sie ihre spezielle Rolle als Jesuit und Astronom?

Mich reizt es sehr, als Priester mit Wissenschaftlern zu arbeiten, sie vielleicht ein wenig näher an Gott heran zu bringen, zumindest ihre Suche zu vertiefen. Dabei kommt mir zugute, dass ich beide Erkenntnisstränge kenne: den der Naturwissenschaft und den der Religion. Ich sehe meine Aufgabe darin, dass ich mich frage: wie kann ich dort Priester sein, genau bei diesen Menschen. Wie kann ich aufmerksam sein für ihre Themen, ihre Fragen, ihr Suchen. Die Herausforderung ist, dass ich mich dauernd neu frage, was das heißt: in agnostischen, potenziell kirchenfeindlichen Umgebungen als Priester zu arbeiten. Von diesen Erfahrungen können wir als Orden sehr profitieren.

Auf welche Resonanz stoßen Sie?

Auf erstaunlich gute. Viele Kollegen kommen zu mir, um mit mir über religiöse Fragen zu sprechen. Religion ist ein Grundbedürfnis des Menschen.

Physiker sind Sie neben der Seelsorge auch noch, woran forschen Sie?

Mein Thema ist die Entstehung von Galaxien, dafür sind sehr komplizierte Rechenmodelle erforderlich, und an solchen arbeite ich. Ich forsche dabei an den äußeren Bereichen des Weltalls. Wir rechnen in unseren Modellen immer auch mit dunkler Materie. Aber wir habe keine Ahnung, was das eigentlich ist, woraus sie entsteht. Dann gibt es auch noch dunkle Energie, eines der ganz großen Rätsel der Astronomie - dennoch eine enorm wichtige Zutat für unser kosmologisches Modell.

Interview: Gerd Henghuber

3. Aug, 2016

 

 Folge 13:

 

 

 

 

 

Obiges Zitat stammt von  Blaise Pascal (1623 -1662) ,  einem berühmten Mathematiker, Philosophen und Christen. In seinem bekannten  philosophischen Werk "Logik des Herzens" erteilte er der rein mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung eine klare Absage. Dies ist natürlich um so bemerkenswerter, da er selber ein anerkannter Mathematiker war.

Aber neben der rein mathematisch-logischen Erkenntnisgewinnung mit klarer Methodik und eindeutigen Beweisen gab es für ihn auch das intuitive Erkennen einer Wahrheit, auch wenn sie nicht im naturwissenschaftlichen oder mathematischen Sinne  beweisbar ist. Ich möchte diese intuitive Erkenntnisgewinnung an einem Beispiel demonstrieren: Ein ermutigender Zufall

Ich denke, dass wir uns alle einig darüber sind, dass es sich bei dieser Begebenheit um ein äußerst erstaunliches Ereignis handelt. Es auf einen normal Außenstehenden so wirkt, als hätten Joachim und ich uns im Vorfeld abgesprochen gehabt. Was aber nicht der Fall gewesen war.

Wie würde nun Pascals "Mathematiker" an die Sache herangehen? Nun, wahrscheinlich würden sie sagen, dass - alleine auf diesen einen Gottesdienst bezogen - das Auswählen zweier neben einanderstehenden Bibelverse schon recht unwahrscheinlich ist, aber wenn man weltweit alle Gottesdienste mit einer vergleichbaren Situation hinzuzieht, es halt irgendwann - statistisch gesehen - einmal  passiert.

Nun will ich nicht abstreiten, dass diese mathematische Logik eine gewisse nachvollziehbare Plausibilität hat. Wenn du beim Roulette 100x mal auf die 17 setzt,  ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sie einmal auch kommt. Einmal auf die 17 gesetzt und sie kommt, ist dagegen schon unwahrscheinlicher.

 

Den Fehler, den viele "Mathematiker" allerdings nun machen ist, dass sie diesen Fall damit als erledigt betrachen. Für sie wäre es mathematisch erwiesen, dass - im vorliegenden Fall - eigentlich gar nichts Besonderes passiert, sondern statistisch gesehen etwas höchst Wahrscheinliches geschehen sei. Ein Urteil, welches Blaise Pascal und alle anderen Intuitiv-Erkennenden allerdings auf die Barrikaden bringen würde!

Denn der Intuitiv-Erkennende spürt, dass es sich hier nicht um ein mathematisches Problem, sondern um ein ganz und gar außergewöhnliches Ereignis handelt. Eines, was ihn - besonders als unmittelbar Beteiligten -, in seinem Innern berührt. Er ahnt oder glaubt, dass da eine lenkende Kraft hintersteckt und es sich um ein (göttliches) Zeichen handelt . Für ihn wird so die "Gegenwart Gottes" erfahrbar.

 

Wer hat nun Recht? Diese Frage ist an dieser Stelle natürlich nicht eindeutig zu beantworten, aber ...

... meiner Ansicht nach sollte sich hier der "Mathematiker" etwas mehr bewegen  als der "Intuitiv-Erkennende" ... alles auf mathematisch - naturwissenschaftliche Beweisführung und Methodik reduzieren zu wollen, wäre angesichts der Komplexität des Lebens wirklich eine Farce ... andererseits sollte sich der Intuitiv-Erkenndende aber auch nicht total den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen/Sichtweisen verschließen. Da könnte sicherlich auch für ihn etliches Nützliche dabeisein!

25. Jul, 2016

 

 

Folge 12:

Georg schüttelte unwillig den Kopf: "Nehmen wir mal an, dass sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, so ist sie keineswegs ein Beweis für das übernatürliche Eingreifen eines Gottes. Es könnte auch wieder der pure Zufall gewesen sein!"

"Könnte", fragte Heinrich, der sich etwas zurückgehalten hatte, gedehnt ... " du räumst also ein, dass es auch ein übernatürliches Eingreifen Gottes gewesen sein könnte?" Georg schwieg einen Moment. Dann entgegnete er: "Ich halte dies zwar für einen ausgemachten Blödsinn, aber - theoretisch - wäre es natürlich denkbar!"

Dieser kleine Auszug aus meiner fiktiven Begleitgeschichte macht noch einmal deutlich, dass selbst der eingefleischteste Naturalist, - wenn er ehrlich zu sich und Anderen ist - , nicht ausschließen kann, dass es sich bei unwahrscheinlich, äußerst begünstigenden Begebenheiten um Lenkungen handeln könnte. 

Selbst Schopenhauer, nun wahrlich kein gottgläubiger Mensch, räumte ein: „Allein, wenn wir auf unseren zurückgelegten Lebensweg zurücksehen und besonders unsere unglücklichen Schritte nebst ihren Folgen ins Auge fassen; so begreifen wir oft nicht, wie wir dieses haben tun und jenes unterlassen können; so dass es aussieht, als hätte eine fremde Macht unsere Schritte gelenkt.“ Und er spricht sogar von einem gewissen Plan: „Man wird bei genauerer Beobachtung finden, dass in dem Leben der meisten Menschen sich ein gewisser Plan findet, der … ihnen gleichsam vorgezeichnet ist.“ 

Karl May äußerte sich zum gleichen Thema wie folgt: "Ich hege vielmehr die unerschütterliche Überzeugung, dass wir Menschen von der Hand des Allmächtigen geführt werden, ohne dessen Willen (eigentlich Wissen) - nach dem Wort der Heiligen Schrift - kein Haar von unserem Haupt fällt." 
   Und Goethe brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Der Mensch meint zu schieben und wird doch geschoben!“

In seinem Buch „Der Zufall und das Schicksal“ (1950) sammelte Wilhelm von Scholz unzählige der unglaublichsten Begebenheiten und schloß den Zufall als plausible Erklärung aus. Aber er warnte auch: „Es ist immer sehr leicht und sehr unwissenschaftlich, immer gleich das Eingreifen einer höchsten Macht und ihrer Absichten als Erklärung zur Hand zu haben, wo eine Absichtlichkeit in den Geschehnissen zu walten scheint.“

Als letzten  in der Reihe bedeutender Personen, die sich zu diesem Thema geäußert haben, möchte ich Tolstoi anführen: Lew Tolstoi - ein Advokat der vorherbestimmten Weltgeschichte

 

 

 

20. Jul, 2016

 

Einschub 2:

Als sich Peter, der Atheist, Georg, der Agnostiker und Heinrich, der Christ sich am nächsten Tag erneut auf der Terrasse ihrer kleinen Pension (am Drachenfels) trafen, war der Disput vom Vorabend noch nicht ganz vergessen. Schnell kamen sie wieder auf die Gottesfrage zu sprechen! "Ich frage dich noch einmal", sagte Georg, " wie kannst du angesichts von so ungeheuerlichen Dingen wie Auschwitz noch an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben?"

Heinrich hatte diese erneute Frage erwartet und antwortete ohne zu zögern: "Ich habe natürlich meine Gründe auch nach Auschwitz an einen allmächtigen und gütigen Gott zu glauben. Aber meine Gründe sind recht persönlicher Natur und würden dich zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit nicht überzeugen!" Deshalb würde ich gerne auf das Thema "Zufall oder Lenkung" zu sprechen kommen.

"Das finde ich ein gute Idee"  mischte sich Peter ein. Das ist ein Thema, welches mich schon lange beschäftigt ... was haltet ihr beispielsweise von folgender Geschichte? Das Wunder von Wien

"Glück gehabt!", sagte Georg, "aber du glaubst doch nicht ernsthaft, dass dies auf ein Wirken Gottes zurückgegangen ist. Wie oft ist in vergleichbaren Fällen das Wunder ausgeblieben. Nein, das war einfach nur ein günstiger Zufall, wie er ab und halt mal geschieht!"

Peter schien nicht überzeugt: "Na ja, diese Geschichte ist aber kein Einzelfall" ... und er erzählte  Das Regenwunder im Quadenland 

Georg schüttelte unwillig den Kopf: "Nehmen wir mal an, dass sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, so ist sie keineswegs ein Beweis für das übernatürliche Eingreifen eines Gottes. Es könnte auch wieder der pure Zufall gewesen sein!"

"Könnte", fragte Heinrich, der sich etwas zurückgehalten hatte, gedehnt ... " du räumst also ein, dass es auch ein übernatürliches Eingreifen Gottes gewesen sein könnte?" Georg schwieg einen Moment. Dann entgegnete er: "Ich halte dies zwar für einen ausgemachten Blödsinn, aber - theoretisch - wäre es natürlich denkbar!"  Heinrich blickte Peter an und sagte: "Ich bin ehrlich erstaunt, dass du - wenn auch nur theoretisch - diese Möglichkeit einräumst."

"Nun", mischte sich Peter erneut ein, " aber solche Geschichten sind natürlich in gewisser Weise eine Rosinenpickerei. Wie viele Dinge geschehen auf der Welt wo man nicht das geringste Walten eines Gottes oder anderer höheren Mächte erkennen kann? Und das ist eigentlich der Normalfall!"

"Ich stimme dir zu", sagte Heinrich," natürlich sind solche Geschichten und andere Wunderberichte kein Beweis, aber es gibt sehr viele davon ... und ich würde mal sagen: Wo Rauch ist, da ist auch meist ein Feuer!" ... Schnell fügte er hinzu: "Darf ich auch noch eine Geschichte vom alten Fritz zum Besten geben, sozusagen als Abschluss unser kleinen Diskussion?" Peter und er blickten Georg fragend an.

Der verzog sein Gesicht und sagte dann: "Wenn es unbedingt sein muss, aber mach es kurz ... ich will gleich noch mal runter zum Rhein!" "Kein Problem!", sagte Heinrich und begann  Das Wunder von Kunersdorf zu erzählen

 

 

 

15. Jul, 2016

 

 

Folge 11:

Ich könnte nun noch jede Menge Berichte über die unglaublichsten "Zufälle" anfügen, einen eingefleischten Naturalisten wird dies - so meine Erfahrung - in den seltensten Fällen überzeugen. Dazu am Ende des Abschnitts noch ein bezeichnendes Erlebnis.

Vorher möchte ich aber noch kurz auf die Frage eingehen, warum Naturalisten sich oft so beharrlich weigern die Möglichkeit einer (göttliche) Lenkung einzuräumen. Obwohl - objektiv gesehen - doch Einiges dafür spricht.

Meiner Überzeugung nach spielen hier psychologische Gründe eine wichtige Rolle. Natürlich sieht der Naturalist auch, dass es sehr unwahrscheinliche Zufälle gibt, die - theoretisch - durchaus mit einer Lenkung interpretiert werden könnten. Aber sein Weltbild ist so in sich geschlossen, dass für ihn nur "natürliche" Erklärungen für ihn in Frage kommen. Alles andere bleibt außen vor.

Und psychologisch gesehen ist das auch durchaus verständlich. Denn würde er die Möglichkeit einer Lenkung in Betracht ziehen, geriete sein naturalistisches Weltbild augenblicklich ins Wanken ... würde er vom Status eines Naturalisten in den Status eines Agnostikers überwechseln. Und dies macht ihm Angst, weil er instinktiv spürt, dass sein bisheriges Leben dann nicht so weiterlaufen könnte.

So weit meine Hobby-Analyse, jetzt aber zu der versprochenen Geschichte, die ich 1985 mit Jürgen, einem guten Freund und bekennenden Naturalisten, erlebte: Ein Naturalist erlebt ein göttliches Wunder